NEWSLETTER #5

Wolfgang Weigand, Rituale & Coaching



Aus dem Inhalt:

 ● Das Hofnarr-Prinzip
 ●
Gedanken zu Liebe und Tod
 ●
In eigener Sache
 



Frühlingsfrage

Neues Leben erwacht
Glieder strecken sich aus langer Vergessenheit
Trägheit weicht einer neuen Energie
voller Lust und Leidenschaft

Ich begegne allem mit anderen Augen
spüre das Belebende in den Dingen
die Zärtlichkeit in den Gedanken
und vielleicht auch die Wildheit in den Visionen

Frei sein ohne Begrenzungen
unabhängig und mutig
wie der Hofnarr in früheren Zeiten
der dem König den Spiegel vorhält

Neues Leben erwacht,
dem Himmel und dem Sommer entgegen.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
(wolfgang weigand)
 



Lieber Leser, liebe Leserin dieses Newsletters

Kennen Sie das Hofnarr-Prinzip? Es ist eine aus dem Coaching bekannte Methode (vgl. Hans Pfister, Das Hofnarr-Prinzip – Wie Menschen mehr Wahlfreiheit erhalten), die es zwei gleichwertigen Partnern erlaubt, wechselseitig in der Rolle des Coach und des Kunden individuelle Fragestellungen zu klären. Es geht also nicht um Ratschläge, sondern um aktives Zuhören, Mitdenken und Entwickeln von gemeinsamen Perspektiven.

Als Narr wurde im Mittelalter jene Person genannt, die als Spassmacher für Unterhaltung und Belustigung sorgte. Der
Hofnarr dagegen war ein besonderer Narr. Er hatte die Aufgabe und das Privileg, dem Herrscher als Einziger die Wahrheit sagen zu dürfen. Er war somit ein Spiegel für den König, klärend, manchmal wohl auch schmerzhaft. Der König brauchte ihn, weil sonst niemand den Mut hatte, ihm zu sagen, was er wirklich denkt. Am Hofstaat galt für die dort tätigen Hofnarren die Narrenfreiheit, die es ihnen ermöglichte, ungestraft Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu üben.

Und ein Hofnarr heute? Es wäre jemand, der wertfrei geschickte Fragen stellt und vielleicht auch mal im guten Sinne provoziert, um neue Denkanstösse zu geben; jemand, der echte Nähe wagt, weil er zumutet, was er denkt; jemand, der den Spiegel vorhält und hinterfragt, weil er sein Gegenüber wertschätzt. Der Hofnarr lässt neue Ideen und Horizonte entstehen, sprengt konventionelle Grenzen und überwindet Zäune im Kopf.

Nach der Winterstarre erleben wir jetzt die Wärme des Frühlings – nicht nur Zeit für den traditionellen Frühlingsputz draussen, sondern auch drinnen, in unseren Gedanken, Mustern und Strukturen. Es ist inspirierend, solche Hofnarren zu treffen oder ein Hofnarr für andere Menschen zu sein.
Und am Wochenende feiern wir ja auch noch das Pfingstfest. Es geht um Geist, Begeisterung, Inspiration, ums Feuer, das brennt, um Leidenschaft und Transformation. Ich wünsche dir, euch und Ihnen für dieses Fest und für die Frühlingszeit viel von dieser Begeisterung. Und vielleicht immer wieder auch etwas Narrenfreiheit in Ihrem Wesen und Ihrer Kreativität.




Herzlichst

Wolfgang Weigand
 


Gedanken zur Liebe...

Die Kraft der Berührung

Neben der Liebe auf den ersten Blick
gibt es auch die Liebe auf die erste Berührung.
Und die geht manchmal noch tiefer.
(Valdimir Nabokov)

Menschen in Beziehungen berühren sich. Berührung ermöglicht Leben, Liebe und Lebendigkeit, und ist weiter mehr als nur Körperkontakt: Auch Worte können berühren, ein gemeinsames Naturerlebnis, eine Frage, ein Geschenk, ein Brief, eine Geste, so vieles mehr.
Berührungen können sehr machtvoll sein, manchmal sogar Erinnerungen auslösen: Dies nennt man dann Körpererinnerung. So finden Sie manchmal völlig unerwartet Zugang zu längst Vergessenem, nur weil Sie z.B. eine flüchtige, aber eben ganz bestimmte Berührung erleben, an die sich der Körper und damit Ihre Seele erinnert. So nimmt auch in verschiedensten therapeutischen Schulen die Bedeutung der Berührung immer mehr zu.

Heute wird immer weniger berührt: In der klassischen Schulmedizin ersetzt die moderne (Medizin-) Technik vielerlei Berührungen. Familiäre Strukturen haben sich verändert: Die körperliche und somit oft auch berührende Nähe von Eltern oder Grosseltern ist nicht mehr selbstverständlich. Für zwischenmenschlichen „Live-Kontakt“ wird weniger Zeit verwendet als für anonyme und „körperlose“ Web-Aktivitäten in Netzwerken, die man paradoxerweise sozial nennt. Dabei wissen wir: Mangel an Berührungen kann krank machen.

Wie lange berühren Sie Ihr Gegenüber durchschnittlich pro Tag? Wie oft werden Sie in Ihrem Umfeld berührt? 15 Minuten bewusster Körperkontakt als tägliche „Dosis“ leistet einen wesentlichen Beitrag zur Beziehungsqualität und zum seelischen Wohlbefinden. Dr. Ekmekcioglu schreibt in seinem bekannten Buch Der unberührte Mensch: „Eine Berührung ist umso mächtiger, je stärker die Emotion ist, die sie begleitet.“

Wenn Ihnen etwas sehr nahe geht, dann geht es „unter die Haut“ oder eben etwas „berührt“ Sie und bringt es in Ihnen zum Klingen. Wenn Sie sich berühren lassen, ermöglichen Sie Nähe und Begegnung und werden innerlich weit für die Grösse eines Augenblicks. So wünsche ich Ihnen etwas von dieser Kraft der Berührung, wo und wie auch immer Sie leben, lieben und arbeiten. Jetzt im Frühling, aber auch in den anderen Jahreszeiten, die kommen werden…




…und zum Sterben / Loslassen:

In seinem „Buch der Trauer“ erzählt Jorge Bucay die Geschichte eines Bergsteigers, der vom schlechten Wetter überrascht wird, notfallmässig biwakieren muss, am nächsten Tag völlig die Orientierung im Schnee verliert und abstürzt. Während des Sturzes zieht sein Leben an ihm vorbei. Als ein Seil um sein Gesicht schläft, greift er instinktiv im Fallen danach. Es gibt einen plötzlichen Ruck, das Seil strafft sich und der Bergsteiger ist vorläufig gerettet. Aber in dieser Kälte hat er wohl nicht mehr lange Kraft genug, um sich festzuhalten. Er hört eine innere Stimme: Lass los. Loslassen, so denkt er aber, ist gleichbedeutend mit sicheren Tod. Wieso das Seil loslassen, das ihn doch am Leben hält? Am nächsten Morgen findet die Rettungsmannschaft den Bergsteiger halbtot. Es ist kaum noch Leben in ihm und er ist fast schon erfroren, während er paradoxerweise das Seil umklammert, das nicht mal einen Meter über dem Boden hängt…

Nicht loslassen bedeutet manchmal den Tod, oder wenn man es nicht so dramatisch formulieren wollte: Stagnation, Enge, Unfreiheit. Dinge loszulassen, an die wir uns mit aller Macht klammern, kann heilsam sein und befreiend. Bucay formuliert es so: „Manchmal ist das Leben gleichbedeutend damit, das loszulassen, was uns einmal gerettet hat“.

Der berühmte Frühjahrsputz kann ein kleines jährlich wiederkehrendes Ritual werden, um sich von Dingen zu trennen, die wir nicht brauchen, um aufzuräumen, wo wir vorher verwirrt waren, um Neues zu wagen, wenn das Alte nicht mehr trägt. Frühjahrsputz als Reinigung dessen, was vorher „verschmutzt“ war im Selbstwertgefühl, in den Beziehungen, in der Partnerschaft, im Team, in Ihrer Familie, wo auch immer Sie leben.

Manchmal ist das Loslassen so nahe, weil das Seil fast schon bis zum Boden reicht! Der Bergsteiger in der Geschichte war sich dessen nicht bewusst. Wir dürfen es anders machen – es lohnt sich!
 



In eigener Sache:


Café Goodbye

Am 22. Mai 2016 wird die Theologin und „Kräuterfrau“ Gisula Tscharner aus Feldis einen besonderen Blick auf das Frühlingsgeschehen werfen: Aufbäumen und Aufblühen – den Abschied gestalten. Kreisläufe in der Natur erzählen vom Werden und Vergehen, von Absterben und Neubeginn – und das erleben ja auch wir, wenn wir verabschieden müssen oder dürfen.

Türöffnung ist, im Bistro Dimensione an der Neustadtgasse 25 in Winterthur, wie immer um 9.00 Uhr, um 9.30 Uhr wird dann das Café Goodbye beginnen. Sie sind herzlich eingeladen!


Kabarett „Der Tod ist doch das Letzte!“
Bin weiterhin unterwegs mit meinem neuen Solo-mit-Urne. In der Kellerbar in Frauenfeld (Walzmühle-Areal) spiele ich am Freitag, 27. Mai, um 20 Uhr. Nähere Infos bzw. weitere Auftritte finden sich auf schritte.ch.



Kurs: Begleitung am Lebensende – dem Sterben ein Zuhause geben
Der Kurs richtet sich an Menschen, die im Angehörigen- oder Bekanntenkreis jemanden begleiten, die im Pflege- oder Sozialbereich beruflich tätig sind / waren, oder die sich einfach für das Thema
interessieren und bewusster mit der eigenen Vergänglichkeit und mit Erfahrungen von Abschied und
Trauer leben möchten.

Ich führe diesen Kurs in sechs Einheiten in Zusammenarbeit mit der AXA-Stiftung Generationen-Dialog durch. Er findet statt zwischen September und November 2016, jeweils von 16.30 Uhr bis 19 Uhr (Termine: 20./27. Sept., 4. Okt., 1./8./15. Nov.). Die Einheit vom 1. November 2016 wird von Frau Franziska Trüb, Leiterin Pflege Zentrum für Palliative Care am KSW Winterthur, mitgestaltet. Folgende Themen werden angesprochen:

  • Persönlicher Umgang mit Trauer, Verlust und der eigenen Vergänglichkeit

  • religiöse Bilder von Tod und Jenseits

  • Trauer- und Sterbephasen

  • Grundlagen der Palliative Care, Sterben als „normaler“ Prozess

  • Wie über Abschiednehmen / Sterben reden?

  • Selbstbestimmtes Sterben: was heisst das? Exit als Ausweg?

  • Begleitung am Lebensende zwischen Psychologie und Spiritualität

  • Kommunikation mit Sterbenden u.v.m.

Näheres zum Seminar findet sich unter www.generationen-dialog.ch bzw. auch hier auf meiner Website (pdf-Datei).

Anmeldungen sind ab sofort möglich unter info@generationen-dialog.ch oder auch direkt bei mir: w.weigand@schritte.ch.

Ich freue mich über Ihre Anmeldung.

Ihr Wolfgang Weigand
 



Impressum:

Wolfgang Weigand

Rituale & Coaching
Oberer Graben 2
CH-8400 Winterthur

044 941 00 59
079 359 56 46

mailto:w.weigand@schritte.ch

www.schritte.ch
www.abschiedsfeiern.ch

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