NEWSLETTER #14

Wolfgang Weigand, Rituale & Coaching



Aus dem Inhalt:

● Fake News und Weihnachten
● Eine besonderes Tagebuch
● In eigener Sache: Würde und Demenz im Café Goodbye *
 
 Seminare für Liebe-Suchende und Paare * neuer Roman



Rechenspiele

Mit dir am Tisch
voller Segnungen
und zwischendurch
berühren ohne Scheu

Mit dir in der Stille
dem Wind lauschen
und der leisen Musik
unter Baumwipfeln

Mit dir auf dem Weg
ins Konturenlose
und eintauchen
in eine sanfte Hoffnung

Ohne dich
wäre nicht alles nichts
sicherlich
aber auch nicht viel mehr
als stete Subtraktion
sich langsam auflösend

Deswegen
du und ich
Addition
wir beide
ins Unendliche

(Wolfgang Weigand)
 


«Die Polkappen sind hoch wie nie, die Eisbärenpopulation war nie stärker.
Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?»
(Donald Trump auf Twitter vom 29. Oktober 2014)
 

Lieber Leser, liebe Leserin dieses Newsletters

Dolchstosslegende nach dem verlorenen 1. Weltkrieg, Protokolle der Weisen von Zion, Terroranschläge von Nine-Eleven, das Attentat auf J. F. Kennedy, eine nur inszenierte Mondlandung, oder eben die Leugnung des Klimawandels: es gibt unzählige Verschwörungstheorien. Seit Trump Präsident der USA ist, kommen zahlreiche Fake-News dazu, oder, wie er sie nennt: Alternative Fakten. Was ist noch wahr, wie werden wir über die Medien informiert oder manipuliert, was darf man eigentlich noch glauben?

«Jesus war gar nicht tot – ein deutscher Historiker will Ungeheuerliches über den Gottessohn herausgefunden haben», so titelte zu Beginn des 1. Adventswochenende der Zürcher Tagesanzeiger. Eine weitere krude Theorie? Der bekannte Mittelalter-Historiker Johannes Fried geht in seinem neuen Buch «Kein Tod auf Golgota» von einer todesähnlichen Kohlendioxidnarkose aus: Jesus habe die Tortur also überlebt. Das berührt eine zentrale (und schwierige!) Vorstellung des Christentums vom Sühnetod: Jesus sei für uns, für dich gestorben. Das erzeugte jahrhundertelang Schuldgefühle, Abhängigkeit und Ohnmacht, was wohl auch nicht so unbeabsichtigt war.

Professor Fried, als «Legendenzertrümmerer» bezeichnet, lädt eigentlich zum Nachdenken ein: ist nicht der Tod Jesu, sondern vielmehr seine Geburt das Wesentliche? Wenn Jesus tatsächlich auch für mich geboren wurde, damit ich wieder neu entdecke, was es heisst, Kind zu sein, zu staunen, zu lieben und geliebt zu werden, mich im Spiel zu vergessen, den Flow eines Augenblicks zu erleben, schöpferisch, fantasievoll, kreativ zu sein. Vielleicht steht er wirklich auch für das «Innere Kind», das leben will, weil es lange verbogen oder verletzt worden war: eben durch Zwänge, Schuldgefühle, Perfektionismus oder fehlende (vorbehaltlose) Liebe und Zuwendung.

„Das Weihnachtsspielzeug der Kinder würde viel länger halten, wenn die Erwachsenen ihr eigenes bekämen.», so hat es mal jemand formuliert.

Ich wünsche Dir, euch und Ihnen inspirierende Erfahrungen von spielerischen Augenblicken, liebevolle Begegnungen mit dem „inneren Kind“ und – immer wieder – eine Neugeburt dessen, was vielleicht schon längst in Ihnen schlummert und nun erwachen möchte: nicht nur an Weihnachten! Und vielleicht werden es in diesem Jahr sogar mal weiße Weihnachten. Das wäre doch mal eine gute Neuigkeit – viel mehr als bloße Fake News!

Herzlichst

Wolfgang Weigand
 





Ein Chronist seines Lebens – von einem besonderen Tagebuch

Vor einigen Wochen durfte ich einen liebenswerten, charmanten und grossherzigen Menschen verabschieden. Er hatte mit seinen osteuropäischen jüdischen Wurzeln ein bewegtes Leben hinter sich: Kriegswirren, Getto, Flucht, Emigration, mehrmals knapp dem Tod entronnen, ein neues Leben in der Schweiz gefunden, eine Frau kennen- und lieben gelernt, welche ebenfalls Flüchtlingserfahrungen hinter sich hatte…

Der Mann fing irgendwann vor 20 Jahren an, seinen Lebensalltag zu protokollieren. In einer dünnen jährlichen Agenda trug er penibel genau, mit kleinster Schrift, seine Tagesabläufe ein, sozusagen vom Sonnenaufgang bis zum Untergang. Täglich, wöchentlich, Monat für Monat, 20 Jahre lang. Keine Musikstunde vor dem Klassikradio, kein besonderes feines Essen, keine Begegnung, kein Telefongespräch, kein Kartenspiel, keine Wanderung, kein gelesenes Buch, keine Erkenntnis - nichts ging verloren, alles war feinsäuberlich protokolliert. Eine Erinnerungskultur – gegen das Vergessen.

Mich hat es an «Arbeit und Struktur» erinnert: es ist das berührende autobiografische Protokoll von Wolfgang Herrndorf, in dem er die letzten dreieinhalb Jahre seines Lebens von der Diagnose des schweren Hirntumors bis zu seinem Suizid am 26. August 2013 beschreibt. «Gestern haben sie mich eingeliefert», so beginnt die erste Aufzeichnung vom 8. März 2010. Die Blogeinträge halfen ihm, zumindest diese dreieinhalb Jahre zu überleben, weil sie Struktur gaben, Sinn, Bedeutung…

In Workshops zum Thema «Trauerarbeit» mache ich manchmal folgende Imaginationsübung. Ich bin gestorben: Von welchem Menschen möchte ich, dass er etwas über mich sagt? Was genau (bestimmtes Erlebnis von mir, Persönlichkeitsaspekt, wichtige Eigenschaft etc.) soll dieser Mensch von mir erzählen? Und mit welchem Symbol aus der in der Mitte liegenden Symbolkiste wird das Erzählte gut illustriert oder umschrieben?

Was und wen möchte ich niemals vergessen, so lange ich lebe? Was soll von mir erinnert bleiben, wenn ich einmal nicht mehr da bin? Vielleicht ist ja das Tagebuch ein guter Begleiter der Vergänglichkeit – und ein Teil der Unsterblichkeit, die wir uns wohl alle wünschen. Ich werde auf jeden Fall diese Agenda-Einträge des verstorbenen Mannes niemals vergessen. Sie haben mich tief beeindruckt. Und das bleibt. Über den Tod hinaus.


 



In eigener Sache:


Vorankündigung «Maria erscheint – Geschichte eines Rufmords»

Im Frühling 2019 wird mein neuer Roman «Maria erscheint – Geschichte eines Rufmords» wieder bei Königshausen & Neumann erscheinen. Es ist die Geschichte eines Aussenseiters, dem Seltsames widerfährt. Es geht um Ausgrenzung, um unerfüllte Liebe. Und um ein Dorf, dass mit solchen Dingen nichts anzufangen weiss und sich in verschrobene Spekulationen flüchtet. Maria erscheint ist ein skurriler, schräger, liebevoll-böser Dorfroman über das Anderssein.

Ein Blick auf den Buchumschlag:




Café Goodbye mit Gaby Grossen, «Demenz und Würde»

Am Sonntag, 24. Februar 2019, ist die Pädagogin und Dozentin Gaby Grossen aus Bern zu Gast. «Würde und Demenz – Wie die Begleitung in den drei Stufen der Erkrankung gestaltet werden kann», heisst ihr wichtiges Thema. Gaby Grossen leitet eine Selbsthilfegruppe und setzte sich dafür ein, dass der Arbeitgeber ihres an Frühdemenz verstorbenen Mannes 2010 den Preis der Schweizerischen Alzheimer-Stiftung erhalten hat.

Türöffnung ist, im Bistro Dimensione an der Neustadtgasse 25 in Winterthur, wie immer um 9 Uhr, um 9.30 Uhr wird dann das Café Goodbye beginnen. Sie sind herzlich eingeladen!

» Die weiteren Veranstaltungen finden sich direkt
hier.


Kursangebote (Auswahl): Seminare für Liebe-Suchende und Paare

Liebe ist das Thema, das uns am meisten bewegt und inspiriert, oder umtreibt und verletzt. Ist die Liebe an sich so widersprüchlich oder sind wir es selber, auf der Suche nach ihr? Was bedeutet eigentlich: sich verlieben? Wen oder was suchen wir in der Liebe? Welche Menschen ziehen wir weshalb an? Und was bedeutet, sich wieder auseinander zu l(i)eben?

In diesem Kurs für Singles und Paare geht es um bisherige Muster in der Partnersuche bzw. des Verhaltens in einer Beziehung, aber vor allem auch um das Potenzial zur «befreiten» Liebe, die Energien nicht mehr blockiert, sondern fliessen lässt.


Vom Glück in der Liebe



Impressum:

Wolfgang Weigand

Rituale & Coaching
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Bildquellen: lilkar / 123RF | Kira Zholudeva / 124RF | Steve Collender / 123FR