NEWSLETTER #15

Wolfgang Weigand, Rituale & Coaching



Aus dem Inhalt:

● Zum Frühling: Abschneiden und Aufräumen
● Gedanken zu L(i)eben und «Nuschelis» am Lebensende
● In eigener Sache


(sämtliche Fotos: Wolfgang Weigand)


Neustart

Es muss wärmer werden
sagen die Menschen
in ihren Kellern und Verstecken
und dunklen Höhlen.
Und lichter auch,
hoffen sie.

Es muss leerer werden
nach den Wintersammlungen
und Weihnachtseinkäufen
und gefassten Vorsätzen
für das neue Jahr.
Und überschaubarer auch,
spüren sie.

Es muss beschnitten werden,
was belastet,
und nicht mehr trägt
und hemmt auf den Wegen.
Und verabschiedet werden auch,
träumen sie.

Neubeginn
ist nur möglich
nach einem Abschied.

Loslassen
und alte Muster
verwandeln
und den Neustart gelingen lassen,
sagen die Jahrzeiten.
Schon immer.
Und immer wieder.

(Wolfgang Weigand)
 

 



Lieber Leser, liebe Leserin dieses Newsletters

Von Aufräumen, Knospen und Visionen

Wenn Sie diesen Newsletter lesen, hat hoffentlich der Frühling bereits begonnen. Nach dem Kalender ist es auf jeden Fall um den 21. März der Fall, wenn der lichte Tag und die dunkle Nacht genau gleich lang sind. Tagundnachtgleiche oder Äquinoktium werden diese beiden Tage vom 19., 20. oder 21. März und vom 22., 23. oder 24. September genannt, also jeweils Frühlings- und Herbstbeginn. Wir spüren Neugierde, Ungeduld, Vorfreude, Lebendigkeit, Naturverbundenheit, haben wieder Lust auf den Garten. Und möglicherweise sogar auf einen Fensterputz!

Je stärker der Lichteinfall, umso deutlicher erkennen wir den Schmutz, die Reste des Vergangenen, von denen wir die Scheiben befreien möchten. Das Licht des Frühlings lädt ein, genauer hinzuschauen. Und aufzuräumen.

«Luisa hat beschlossen aufzuräumen. Als Erstes muss Alfred weg.» So lapidar beginnt der Roman «Aufräumen» von Angelika Waldis (Europa-Verlag, Zürich 2013). Darin erzählt sie vom Aufräumen einer Frau, die Ordnung schafft. Nachdem sie jahrzehntelang nur für die anderen da war, möchte sie jetzt, mit 70, endlich ihren eigenen Weg gehen, und das ziemlich radikal... «Aufräumen» ist ein tiefgründiger, abgründiger und dennoch heiterer Roman mit leiser Ironie und viel Liebenswürdigkeit, in dem es um Aufbruch, Ausbruch und Befreiung von Ballast geht. «Aufräumen» wäre also eine richtig passende Frühlingslektüre (aber erst nach dem Fensterputz…).

Im Frühjahr gilt es, eigene Freiheiten zurückzuerobern, aber auch den Mut zu haben, aufzuräumen, was innerlich und äusserlich aus der Ordnung herausgefallen ist. Neue Strukturen und Visionen möchten entstehen. Und Knospen, die sich aus dem scheinbar winterlich erstarrten Holz herausbilden und bald blühen werden!

Ich wünsche Ihnen ein gutes Erwachen aus den Grenzen des Winters, mit viel neuem Schwung, Gelassenheit, Vertrauen und dem stillen Wissen: Der Winter wächst über sich hinaus – und wir dürfen dies manchmal auch tun! Es muss ja nicht gleich so radikal sein wie bei Luise, der sympathisch-draufgängerischen Heldin in Angelika Waldis`«Aufräumen»!

Herzlichst

Wolfgang Weigand
 





Frühlingsputz in der Liebe oder bei der Partnersuche...

In meinen Seminaren zum Thema Liebe (für Paare und für Liebe-Suchende) geht es immer wieder um die Frage, von welchen Menschen wir uns angezogen fühlen bzw. was die anfängliche Anziehungskraft in der Beziehung war. Wir haben Kriterien dafür, wen wir attraktiv finden: Aussehen, Statur, Mimik und Gestik, sozialer Status, Geruch, Kommunikations- und Bindungsverhalten, Charakter, Präferenzen, Wertvorstellungen und vieles mehr. Psychologen nennen die Summe dieser Attraktivitätskriterien «Beuteschema».

Der Arzt Stefan Woinoff geht in seinem Buch «Überlisten Sie Ihr Beuteschema» davon aus, dass dieses eine starke archaische Konnotation hat, dass sich also das Paarungsverhalten über Hunderttausende von Jahren bei uns genetisch eingebrannt habe. Sind wir also unfrei oder einfach so geprägt? Ist dies ein Grund dafür, dass wir immer wieder dieselben Menschen anziehen, die uns in der tiefsten Seele nicht gut tun, oder dass wir in unserer Partnerschaft immer wieder in dieselben Muster verfallen, die wir gerne hinter uns lassen würden?

Das Beuteschema hat meines Erachtens jedoch nicht nur eine genetische und kulturelle, sondern auch eine biografische Dimension, in der sich Verletzungen und «Abspaltungen», aber auch Reifungsprozesse und persönliche Entwicklungen zeigen. Und natürlich hat es mit Resonanz zu tun: wir ziehen unbewusst Menschen an mit ähnlichen Fragen, Mustern oder Lebenssituationen, die mit dem eigenen Leben «kompatibel» erscheinen. Eckhart Tolle spricht an dieser Stelle von einem (unbewussten!) «Schmerzkörper», der im Außen, also bei einem Partner, nach der richtigen «Nahrung» sucht, auch wenn diese destruktiv ist oder eben nicht gut tut. Hinter der Anziehungskraft steht also nicht nur ein Schönheitsideal, sondern auch eine seelische «Bedürftigkeit».

Wie überliste ich mein Beuteschema? Indem ich mich zum Beispiel für einen Tag oder eine Woche einmal bewusst Menschen zuwende, die ich auf den ersten Blick nicht als sympathisch, attraktiv oder spannend einschätze, und darauf achte, was sich an Begegnungen entwickelt. Oder indem ich mit meinem Partner einmal bewusst aus der Komfortzone und aus Gewohnheiten ausbreche, vor allem dann, wenn mich etwas nervt oder negativ berührt. Oder indem ich mich an die «Anfangsvision» meiner Partnerschaft erinnere: was hatte uns damals miteinander verbunden – und was ist uns davon geblieben oder was hat sich transformiert?

In den kommenden Frühlingstagen werden manchmal nicht nur die Fenster geputzt und Winter- und Sommersachen neu verräumt bzw. in den Keller verbannt, sondern manchmal gibt es auch innere Aufräumaktionen: was brauche ich noch, was nicht mehr? Vielleicht gehört das Hinterfragen des Beuteschemas auch dazu, um aufzuräumen. Und um neue Dynamiken zu ermöglichen. Ich wünsche es dir, euch und Ihnen...




… und von Übergangsobjekten oder «Nuschelis» am Lebensende

In unserem letzten Café Goodbye war Gaby Grossen unser Gast. Es ging um das Thema «Demenz und Würde». Ihr Mann war an Frühdemenz erkrankt und ist inzwischen nach mehrjähriger Pflegeabhängigkeit verstorben. Lange Zeit hat sie mit ihm über ein kleines Plüsch-Nilpferd kommuniziert, welches dann aufgestellt wurde, wenn etwas nicht in Ordnung war. Und am Ende waren es mitgebrachte Himbeeren, die ihm immer so gut schmeckten –und ihn «erkennen» liessen, dass nun seine Frau ihn besuchte. Himbeeren haben wir dann auch am Ende an das Publikum verteilt: ein besonderer Moment für alle, weil sie plötzlich eine tiefere Bedeutung erhielten und wunderbar schmeckten...

Wir hörten von einer berührenden Geschichte der Kommunikation mit einem schwer dementen Menschen auf der letzten Wegstrecke seines Lebens. Plüschtier und Himbeere sind im eigentlichen Sinn «Nuschelis», wie sie in der Schweiz genannt werden, bzw. typische «Übergangsobjekte». Nuschelis hatten wir bereits als Kinder in Form eines Nuggis oder Stofftuchs oder eben eines Plüschtiers, das uns Sicherheit vermittelt hat: vor dem Einschlafen, in einer fremden Umgebung, in einer ungewohnten Situation. Nuschelis brauchen wir auch als Erwachsene, wenn wir vor einer wichtigen Veränderung, einer Transformation, eben vor einem Übergang stehen, was oft mit Unsicherheit oder auch Angst zu tun hat. Nuschelis beruhigen, ermöglichen ein Gefühl von Geborgenheit. Und sie helfen uns, einander zu begegnen, wenn die Worte fehlen...

Manchmal drücken sich Sterbende in einer Symbolsprache aus: von Kofferpacken oder Bahnhof oder auf-den-Zug-bringen ist dann die Rede. Oft können sie aber nicht mehr aktiv kommunizieren. Wie dann mit ihnen reden? Der Tod ist der grösste Übergang, den wir in unserem Leben erleben werden! Früher gab man den Verstorbenen Münzen mit für den Fährmann. Heute können es Plüschtiere auf dem Sterbebett oder auch im Sarg sein. Nuschelis helfen, wenn die Sprache keine Worte mehr findet. Sie helfen, den Übergang zu bewältigen. Für diejenigen, die gehen. Und für die, die zurückbleiben.
 



In eigener Sache:


Neuer Roman…

Mein neuer Roman «Maria erscheint – Geschichte eines Rufmords» ist soeben erschienen, wieder bei Königshausen & Neumann (Würzburg/D). Es geht um die Geschichte einer Ausgrenzung in einem dörflichen Milieu der 80er Jahre. Sie scheint aus der Zeit gefallen zu sein, könnte aber so oder so ähnlich zu allen Zeiten und Orten passieren. Näheres zum Inhalt sowie zu Lesungen findet sich direkt hier.



Die
Premiere-Lesung findet statt am Mittwoch, 5. Juni 2019, 19.30 Uhr, im Bistro Dimensione in Winterthur an der Neustadtgasse 25. Anmeldung/Reservationen (da begrenzte Platzzahl) sind unter w.weigand@schritte.ch oder 044 941 00 59 möglich.


Neu! Gerne bin ich nun auch als «Stör-Vorleser» unterwegs. Ich komme zu Ihnen nach Hause und lese auch vor einem kleinen Publikum in Ihrem Wohnzimmer aus «Maria erscheint». Ebenso können auch noch «Sterbelos» und «Grenzgänger» auf dem Programm stehen. Für ein vergnüglich-inspirierendes Literaturerlebnis können Sie mich direkt kontaktieren: w.weigand@schritte.ch


…und neues Kabarett-Programm

Inzwischen bin ich unterwegs mit meinem dritten Soloprogramm: «Keine Angst vor der Wahrheit». Es ist ein kabarettistisch-musikalisch-schräger Abend rund um so wichtige Themen wie Urknall, Trump, Liebe, Ritalin, Spermien, Rücktritte, Missbrauch, Mauern, Scheitern, Alzheimer, Migration und andere Lebensweisheiten. Für ganz kurz Entschlossene: im Rotfarbkeller von Aadorf (bei Winterthur) spiele ich am Samstag, 30. März, um 19.30 Uhr die «Nach-Premiere» (www.arealrotfarb.ch)



Vorschau: Am
Freitag, 20. September 2019, spiele ich im Parterre 33 in St. Gallen. Anmeldungen / Reservationen (beschränkte Platzzahl) sind möglich über reservation@parterre33.ch

Weitere Auftritte in Deutschland (u.a. Schweinfurt – Disharmonie am 3. Oktober) und in der Schweiz sind geplant. Nähere Infos sowie (in Kürze) ein Film-Trailer von der Premiere am 29. März (inhouse-Veranstaltung) finden sich direkt
hier.


Café Goodbye

Am
Sonntag, 12. Mai 2019, wird der (ehemalige) Notfallmediziner und Exit-Konsiliararzt Dr. med. Gerhard Köble, unser besonderer Gast sein. Er kommt mit dem Publikum ins Gespräch zum Thema «Wieviel Klarheit und Sicherheit sind möglich? – Chancen und Grenzen der Patientenverfügungen». Zu diesem zweifelsohne sehr wichtigen Thema sind Sie alle herzlich eingeladen!

Türöffnung ist, im Bistro Dimensione an der Neustadtgasse 25 in Winterthur, wie immer um 9 Uhr, um 9.30 Uhr wird dann das Café Goodbye beginnen.
Carla Soldato und ich freuen uns auf Ihr Kommen!

 



Impressum:

Wolfgang Weigand

Rituale & Coaching
Mühlestrasse 5
CH-8400 Winterthur

044 941 00 59
079 359 56 46

mailto:w.weigand@schritte.ch

www.schritte.ch
www.abschiedsfeiern.ch

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